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Indologie
Prof. Dr. Jens-Uwe Hartmann
Fragestellung
Mit dem Thema
Herrscherprestige durch Förderung religiöser Eliten
sollen die bisher gewonnenen Ergebnisse für eine neue Perspektive
nutzbar gemacht werden. Gleichzeitig soll dieser Perspektivenwechsel
dazu dienen, den indologischen Teil näher an die anderen Teilbereiche
heranzuführen und damit den inhaltlichen und methodischen Austausch
noch weiter zu intensivieren. Die indologische Fragestellung im
Erstantrag hatte einen singulären Aspekt beigetragen; das Augenmerk
war nämlich gewissermaßen auf eine Leerstelle gerichtet
worden, und zwar auf den ostentativen Verzicht auf Prestigemittel
innerhalb der Asketenbewegungen im indischen Altertum. Dieser Verzicht
diente als Zeichen für die Abkehr von der Gesellschaft und
konnte damit einerseits zeigen, was in der Gesellschaft potentiell
als prestigebildend angesehen wurde; gleichzeitig erzwang die Konkurrenzsituation
zwischen den diversen Asketenbewegungen, die alle auf die Alimentierung
durch dieselbe Gesellschaft angewiesen blieben, die Herausbildung
neuer Formen von Differenzmarkierungen, um die eigene Bewegung als
wirkmächtiger und als religiös erfolgreicher herauszustellen
und damit die Unterstützung durch die jeweiligen Anhänger
mindestens zu sichern, idealerweise aber auch neue Anhänger
hinzuzugewinnen. Da jedoch Erfolg und Qualität im religiösen
Bereich schwer quantifizierbar und daher auch schwer messbar sind,
bilden Charisma- und Prestigekonstruktionen notwendigerweise einen
zentralen Bestandteil solcher Bemühungen um die Herstellung
von Differenz.
Ein interessantes Ergebnis der Untersuchungen bestand darin, dass
nunmehr sehr viel deutlicher geworden ist, wie eng das Charisma
und das Prestige der Führungspersönlichkeiten jener Asketenbewegungen
in Analogie zu dem des weltlichen Herrschers konstruiert wurde;
man gewinnt den Eindruck, dass beide Phänomene geradezu gespiegelt
sind. Exemplarisch wurde dies an der Gestalt des Buddha untersucht,
und dabei konnten wichtige neue Aspekte herausgearbeitet werden;
ähnliches gilt aber auch für die anderen Asketenbewegungen,
wobei dies angesichts der Quellenlage insbesondere beim Jainismus,
der bekanntlich viele Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten mit
dem Buddhismus aufweist, gut zu dokumentieren ist.
Es lag daher nahe, nun der anderen Seite des Spiegels, nämlich
dem Prestige des Herrschers, nachzugehen und dabei zu fragen, welche
Wechselwirkungen in dieser Richtung bestehen könnten, den Blick
also darauf zu richten, wie das Prestige eines Herrschers grundsätzlich
konstruiert wird, worauf es beruht und wie sich solche Prestigekonstruktionen
unter dem Einfluss von erfolgreichen religiösen Bewegungen
verändern. Gerade der Buddhismus ist bekannt dafür, dass
er sehr anbindungsfähig an weltliche Herrschaftsformen war,
insbesondere an überregionale Herrschaft – das scheint
auch einer der Gründe für den Erfolg außerhalb Indiens
gewesen zu sein. Dabei müssen aber notwendigerweise Wechselwirkungen
entstehen; es steht daher zu erwarten, dass nicht nur das Prestige
des Buddha strukturell und formal jenes des Herrschers nachahmt,
sondern dass umgekehrt auch „weltliche“ Institutionen
bestimmte Konzeptionen und Formalien aus dem religiösen Bereich
als prestigefördernd nutzbar machen.
Ein solches Konzept wie Prestige vermag dabei den Blick zu schärfen
und eine Kontrollfunktion für die Interpretation der in den
Quellen vorgefundenen Informationen auszuüben. Geradezu paradigmatisch
für die Beziehung zwischen Herrscher und Religion steht im
alten Indien Asoka, der Herrscher des ersten indischen Großreiches
um die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr., der sich in seinen Inschriften
als Anhänger des Buddhismus ausweist. Der Darstellung in den
buddhistischen Quellen folgend, die ihn als den Idealherrscher par
excellence stilisieren, wird er bis heute in der Forschung als überzeugter
Laienbuddhist betrachtet. Unter dem Aspekt des Prestige ließe
sich die Selbstdarstellung in den Inschriften jedoch auch weniger
positivistisch als ein Herrschaftsmittel verstehen und würde
dann darauf hindeuten, dass der Buddhismus zu jener Zeit bereits
zu einem bestimmenden sozialen Faktor geworden war und möglicherweise
auch schon herrschaftslegitimierend eingesetzt werden konnte.
Es soll daher untersucht werden, wie, in welcher Auswahl und in
welchem Umfang für die (Selbst-) Darstellung des Herrschers
auf die Verbindung mit in weitestem Sinne „religiösen“
Phänomenen zugegriffen wird. Zu fragen ist dabei, ob ein Herrscher
eine oder mehrere religiöse Bewegungen unterstützt oder
sich gar, wie im Falle Asokas, als Anhänger ausweist, ferner
welche Wechselwirkungen mit prominenten Kultstätten oder religiösen
Zentren wie etwa Klöstern gesucht werden, und ob die Verfügung
über Kultstätten oder spezifische Kultgegenstände
wie etwa Reliquien Prestige zu generieren vermag, um nur einige
Beispiele zu nennen.
Vorschläge
für Dissertationsthemen
- Der Herrscher
als Förderer von Kultstätten und religiösen Bewegungen
- Die Verfügung
über Reliquien zur Begründung weltlicher Macht
- Die Einbindung
von religiösen Kultstätten in Herrschaftslegitimation
und Herrscherkult 4. Asket als Herrscher, Herrscher als Asket
- Schrift und
Prestigewandel: der Übergang von der mündlichen zur
schriftlichen Überlieferung in religiösem Kontext
- Die Muster
des Idealherrschers in den religiösen Bewegungen
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