Sinologie
Prof. Dr. Thomas O. Höllmann

Fragestellung

Zwei zeitlich aufeinanderfolgende Vorhaben sollen in den nächsten Jahren verfolgt werden: (a) Kulinarisches Prestige; (b) Status in der Stadt.
Kaum eine Kultur wird in demselben Umfang durch Essen und Trinken definiert wie die chinesische. Dieser Umstand hat sicherlich auch Auswirkungen auf die Zuweisung von Prestige gehabt. Das gilt nicht nur für die Sitzordnung, die in den antiken Ritenklassikern ausführlich erläutert wird, sondern auch für die Qualität der Speisen, die dem Gastgeber entsprechendes Ansehen einbringen konnte. Hierfür liegen archäologische, kunsthistorische und literarische Zeugnisse in großer Zahl vor. Deren Auswertung geht in eine „Kulturgeschichte der chinesischen Küche“ ein, die im Herbst 2010 im Verlag C.H. Beck erscheinen wird.
Solange sich in China die Existenz von Städten zurückverfolgen läßt, fallen – neben der Ausrichtung, der Axialität, der Ummauerung und den Toren – zumindest zwei Phänomene auf: die rigide Abschottung des politischen und sakralen Zentrums sowie das Fehlen eines öffentlichen Raums (analog zu Forum und Agora), der den Herrschern den Rahmen zur Demonstration von Macht und Prestige geboten hätte. Das war sicherlich kein Ausdruck von Bescheidenheit; vielmehr dürfte die strikte Seklusion des Hofes und der Eliten die gesellschaftliche Stratifikation nicht weniger unterstrichen haben als die persönliche Präsenz und die Zurschaustellung des eigenen Status. Hier setzt das geplante Vorhaben an. Daneben soll aber auch der Versuch gemacht werden, eine „Hierarchie“ der einzelnen Wohnviertel zu erstellen. Die Untersuchung hierzu ist eng mit einem Projekt verknüpft, das in erster Linie auf die Herkunftsregion der Bewohner einzelner Stadtviertel ausgerichtet ist und für das im Rahmen eines größeren Forschungsverbunds Mittel beim BMBF beantragt wurden.

Vorschläge für Dissertationsthemen

  1. Exotik und Prestige
  2. Die chinesische „Kleiderordnung“
  3. Sport und Prestige
  4. Der Künstler und sein sozialer Status
  5. Die Kultur der Bescheidenheit
  6. Architektur als Statuszuweisung